Pool presents : Bernhoft!!!
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Aufblitzende Synthesizerklänge setzen den dramatischen Ton von ´Visceral´ schon in den ersten Sekunden des Songs. Dann erklingt die Stimme von Jarle Bernhoft, präzise, energetisch, voller Soul, voller Tragik. Angesichts seiner packenden rhythmischen Phrasierung erwartet man ein Energiebündel. Der schlanke, schlaksige Norweger mit der großen schwarzen Brille ist aber ein sanfter, nachdenklicher Mensch. Seine Helden sind die afroamerikanischen Soulsänger wie Sly Stone, und überraschenderweise gelingt es ihm, sich an ihnen zu messen. Gerade in den USA wird er dafür besonders gefeiert. Er trat in den größten Fernsehshows des Landes auf, etwa bei „Ellen“. Ferner wurde Bernhoft für den Grammy als bester R&B-Newcomer nominiert – als erster Nicht-US-Amerikaner in 20 Jahren! Seine Fans in Deutschland dürfen sich darauf freuen, Bernhoft persönlich in der tollen Elbphilharmonie zu erleben, wo er am 03.06. im Rahmen des Elbjazz-Festivals auftritt.

So durch und durch Bernhoft ein Soul-Man ist, so sehr steht er doch im Hier und Jetzt. Die Schönheit seiner Songs und die Brisanz seiner Themen macht die einzigartige Spannung seiner Musik aus. Sein Debütalbum, Ceramic City Chronicles, ist eine Reaktion auf den Zustrom von Flüchtlingen nach Norwegen. Er suchte einen Ort in Oslo auf, wo kaum jemand Norwegisch oder Englisch spricht. Die Songs verarbeiten dieses gleichzeitige Gefühl von Heimat und Fremdheit. Dann kommt Solidarity Breaks, sein Durchbruchsalbum. Mit dem Verschwinden von Solidarität in unserer Gesellschaft hat es auch ein ernstes Thema, und dennoch oder gerade deshalb erreichte es die #1 der norwegischen Charts. Als Multiinstrumentalist und um auch ohne Begleitband touren zu können, sampelte er auf der Bühne live ein Rhythmuspattern über das andere und produzierte so sein eigenes Playback. Musikfans auf der ganzen Welt waren davon so fasziniert, dass er ein Youtube-Phänomen wurde. Heute kann er in einem südamerikanischen Land spielen, in dem er noch nie aufgetreten ist und tausende glühender Fans vor sich haben.

´Visceral´ ist die Single zur „The Morning Comes EP„, die am 24.03. in den deutschsprachigen Ländern erscheinen wird. ´Visceral´ ist ein mitreißender Popsong mit einem tiefgründigen, tragischen Thema. Bernhoft verarbeitet darin den Skandal um Rachel Dolezal. Rachel Dolezal ist eine weiße Amerikanerin, die sich als Schwarze ausgab und als politische Aktivistin und Afroamerican-Studies-Dozentin Karriere machte, aber über den Fakt stolpert, dass ihre gesamte Existenz auf einer Lüge basiert. Vor laufender Kamera kam heraus, dass ihre Eltern weiß sind. Von einem auf den anderen Tag wurde sie zur persona non grata, sie verlor ihren Job, ihre Ehrentitel und zuletzt auch ihre Wohnung. Die Weißen verachten sie, die Schwarzen hassen sie. „Das ist ein kulturelles Minenfeld. Rachel konnte in einer Gefahrensituation weiß werden, das kann eine Schwarze nicht“, erklärt Bernhoft. Was fasziniert ihn an dieser Geschichte? „Caitlyn Jenner outete sich im gleichen Moment als Transgender-Person und wurde dafür gefeiert: Das fand ich interessant. Warum urteilen wir den einen Menschen ab und feiern den anderen? Ich finde, dass beide Geschichten sich ähneln. ´Visceral´ meint dieses ungute, bedrängende Gefühl, das aus dem eigenen Bauch kommt: Wir können nicht der sein, der wir sein möchten, weil es diese unmittelbaren, vernichtenden Reaktionen von Menschen um uns herum gibt.“ Rachel Dolezal fühlt sich so schwarz wie Caitlyn Jenner sich als Frau fühlt. „Man akzeptiert, dass die Geschlechteridentität von Menschen komplex ist“, erklärt Bernhoft. „Bei Rachel Dolezal ist es die ethnische Identität. Es ist wie bei Michael Jackson, er wollte von einem weißen Publikum akzeptiert werden. Rachel Dolezal ist die einige Person, bei der das andersrum verläuft.“ Vielleicht fasziniert Bernhoft Rachel Dolezal auch deshalb so, weil er selbst als weißer Musiker von der afroamerikanischen Kultur zehrt. Sie ist die Basis seines Lebens, sagt er. Während aber Dolezal ihre Herkunft verschleierte, macht Bernhoft immer deutlich, wo er herkommt. Aus seiner Position in der Peripherie des Popgeschehens kann er US-amerikanische Verhältnisse auf eine Weise beschreiben, die für so manchen Amerikaner eine erleuchtende Wirkung haben kann. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum seine Musik dort so eingeschlagen ist.

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