Pool presents : Patrice !!!
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Wir leben in turbulenten Zeiten – dem würde wohl niemand widersprechen. Globale Wirtschaftsabkommen stärken die Reichen und schwächen die Armen, Frustration entlädt sich auf den Straßen, Irrgläubige und Gläubige streiten um Deutungshoheit. Dinge passieren, die uns Angst machen, und unsere Medien multiplizieren die Angst in Dauerschleifen. Wir suchen nach klaren Lösungen und misstrauen gleichzeitig den etablierten Systemen. In so einer Zeit schauen wir immer wieder und immer mehr zu den Künstlern und fragen: „Wo ist Euer Statement“? Und diese Frage ist berechtigt.


Und vielleicht können Künstler etwas Wertvolleres beitragen als vereinfachte Lösungsvorschläge, etwas Ehrlicheres als plumpe Heilsversprechen – und zwar eine klare Haltung. Ein Gefühl für das, was wirklichen Wert hat. Eine Inspiration.

Life’s Blood ist das siebte Studioalbum von Patrice. Es handelt von Werten und dem Wertvollen. Es besingt Mut, Euphorie und Sinnlichkeit, es versteckt Hintersinniges im klaren Blickfeld, inmitten von vorwärts gerichteten Drums und wunderschönen Melodien. „Wert richtet sich nach Bedürfnis“, sagt Patrice, „und mein Bedürfnis in dieser Zeit ist nach einer Quelle von Energie, nach einem Lebenselixier“. Life’s Blood ist unsere kostbarste Ressource, das Wasser, das den Planeten belebt, das Blut, das den Körper durchströmt und aufstehen lässt. Aufstehen, um sich auf den Weg zu machen gegen Unrecht und für Liebe. Aber auch aufstehen, um zu tanzen!

So kündigt sich Life’s Blood mit buchstäblichen Pauken und Trompeten an: an seiner Speerspitze steht mit BURNING BRIDGES ein Song, der in Co-Produktion mit Diplo (Major Lazer, Beyonce, Madonna) und den Picard Brothers entstand, und der vor Jetzt-Zeitigkeit nur so strotzt. „Als wir BURNING BRIDGES fertig hatten, wusste ich: es muss ein neues Album geben. Und genau so muss es klingen!“

Geboren 1979 als Sohn eines der großen Intellektuellen Afrikas und einer deutschen Mutter, lebt Patrice heute in New York, Paris und Köln. Drei Städte, die jeweils auf ihre ganz eigene Art im Brennpunkt des Zeitgeschehens stehen. Gemeinsam mit London und dem jamaikanischen Kingston bilden sie das Pentagon, in dem Life’s Blood seinen Sound erhält. Dieser steht zeitgleich in der Tradition von Nina Simone und Bob Marley, sowie in dem jetztzeitigen Sound der Clubs und Dancehalls der Metropolen.

Patrice ist ein Storyteller, der es liebt von musikalischen Kuriositäten zu erzählen, von Entstehungsgeschichten großer Alben, von den Hintergründen und Geheimnissen seiner Lieblingskünstler. Er schwärmt von Londons großer musikalischer Tradition, von The Clash bis zu Grime, und in London besitzt er ein gemeinsames Studio mit Alan Nglish (Alessia Cara, Cee-lo Green), zu dem er den Großteil seines über Jahre kuratierten Vintage Equipments beigesteuert hat. Gemeinsam mit einem Kreis aus internationalen Songwritern entstehen hier die Ideen zu vielen Songs des Albums. In Köln verwurzelt, steht dort die zweite Hälfte seines Equipments, hier nimmt Patrice am liebsten Drums auf. Die Chöre und Horns entstehen auf Jamaica mit der Hilfe und Inspiration des legendären Clive Hunt, der mit Dennis Brown, Peter Tosh und Jah Cure die Reggae- und Popgeschichte geprägt hat. Das Herzstück des Albums – Patrice’s unverkennbaren Gesang – nimmt er hauptsächlich in seiner Wohnung in Brooklyn, New York auf. In der improvisierten Gesangskabine im Schrank, akustisch eingerichtet mit lose hängenden Bettdecken. „Im Prinzip habe ich meinen Laptop und ein gutes Mikro immer im Rucksack. Ich recorde überall. Life’s Blood ist wahrscheinlich mein großes HoBo Album“, lacht Patrice.

Der tanzbare, progressive Weg, den BURNING BRIDGES bereitet, findet sich auf Songs wie GUNS & TINGS und ISLAND wieder. Gechoppte und gepitchte Vocalparts, Afro-Karibische Rhythmen, die seit Jahren Teil des Patrice Sounds sind, und jetzt im Mainstream ankommen. Während man vor dem geistigen Auge bereits die Festivalbesucher springen sieht, verpasst man beinahe die pointierte textliche Schärfe: fast beiläufig thematisiert der zweite Vers von ISLAND Drogenkonsum und Teen-Pregnancy. GUNS & TINGS hinterlässt Spuren einer Auseinandersetzung mit Armut und Kolonialisierung. Patrice gelingt es immer wieder die scheinbar schweren Themen mit einer Nonchalance zu servieren, die sich nie aufdrängt – und deshalb eiskalt erwischt.

Ein spielerischer Umgang mit den Dingen die passieren, trocken-humorvoll und trotzdem hintersinnig – das ist eine der großen Freuden beim Hören von Life’s Blood . Spielerisch sind auch die Momente, in denen Patrice Genres und Einflüsse erhitzt, schmilzt und zusammengießt wie auf dem Standout-Song LOVE YOUR LOVE. Reggaes Hutzug in Richtung Blood Orange, französischem Progressiv Discofunk und vielleicht ein wenig in Richtung Michael Jackson – fest verankert in der Soundwelt von Patrice. „Musik ist manchmal wie flirten“, lacht er. „Du musst das Gegenüber zuerst verwirren – dann entsteht ein offener Moment, und alles kann passieren“.

Viele Songs auf Life’s Blood sind aus diesen offenen Momenten entstanden. Vor und während der Entstehung des Albums schreibt und produziert er für andere Künstler aus verschiedensten Genres. Nach den Mehrfach-Platinerfolgen des von ihm produzierten Albums der Künstlerin Selah Sue, sowie Produktionen für Cody ChesnuTT und Rox, entspringen seiner Feder auch immer wieder Tracks für internationale Künstler wie die irischen Wyvern Lingo. Und in manchen Momenten entstehen auf diese Weise auch Songs, die Patrice so sehr ans Herz wachsen, dass er sie für sich behält. Auf dem Album finden sich einige von ihnen wieder – Life’s Blood ist auch deshalb so divers und interessant.

Diese Worte erklingen auf BE WITH ME und eröffnen eine weitere Seite des Albums, die verletzbar und berührend ist. Patrice hat keine Angst vor dem großen Wort ‚Liebe‘ und der damit einhergehenden Ekstase, der Erfüllung, den Zweifeln, den dunklen Punkten. So ist Life’s Blood mit all seinen leuchtenden, Superpowers-gebenden Momenten auch immer wieder durchzogen von einer Bestandsaufnahme der Schattenseiten unserer Zeit. Darin spricht Patrice klar und nüchtern, und immer auch von sich. In manchen Momenten sehr spezifisch, wie wenn er auf dem OMI (Welthit „Cheerleader“) featurenden MEANIN‘ Worte für das leere Gefühl nach One Night-Stands findet, die wohl bei vielen einen wunden Punkt treffen. In anderen Momenten berührt Patrice Dinge, bei denen das Persönliche zum Universellen wird. Als am 13.November 2015 im Pariser Konzertsaal Bataclan 130 Menschen auf tragische Weise um’s Leben kommen und Hunderte weitere verletzt werden, ist Patrice nur ein paar Straßenblocks entfernt. „Das ist meine Hood. Ich habe dort selbst öfter gespielt. Die Menschen, die das Konzert veranstaltet haben, arbeiten in meiner Booking Agentur. Ich sehe die Bilder im Fernsehen und kenne die Gesichter. Dieser Abend hat Paris verändert, dieser Abend hat die Menschen in Paris verändert“ erzählt Patrice. „Am nächsten Morgen saß eine ältere Dame neben mir im Café und sprach mich an. Normalerweise ignoriert man hier seine Tischnachbarn, doch an diesem Tag unterhielten sich alle. Die Menschen standen unter Schock – und sind näher zusammengerückt. Das berührt tief“.

Für Patrice sind die wahren Helden dieser Geschichte die einfachen Menschen. Die, die einander geholfen haben. Der unscheinbare Mitarbeiter des Bataclan, der unter Einsatz seines eigenen Lebens unzählige Menschen gerettet hat. Die besagte Dame im Cafe, die sich liebevoll um ihn gesorgt hat: „Er sei doch noch so jung, er habe doch noch so viel vor sich, er solle besonders auf sich aufpassen.“ „Da kommen wir zurück zu den ‚Werten‘: was ist uns wichtig in solchen Momenten? Und weiter: was zeigen uns die Medien? Liegt der Fokus auf den guten Taten, den helfenden Händen? Leider nicht, und das multipliziert das Negative und die Angst!“.

Patrice findet seine Aufgabe und die Energie von Life’s Blood nicht darin, Schwermut zu propagieren. Sie liegt nicht darin, Konflikte von allen Seiten zu beleuchten und dadurch immer weiter leben zu lassen. „Wenn ich meine Musik spiele, und ich schaue in die Gesichter der Leute, und da ist ein Lachen… Wenn die Menschen nach Hause gehen und mehr Energie für ihr Leben mitnehmen als sie zuvor hatten… das ist meine Aufgabe“, sagt er abschließend. „Es geht nicht darum, den Hit des Sommers zu machen. Es geht um Inspiration, um Power, um das Leben!“

Life’s Blood ist ein so stylisches wie stilsicheres, scharf gewürztes, honigsüßes Testament genau dieser Haltung.

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